Spätestens im letzten Jahr sind die Themen digitale Kommunikation und virtuelle Meetings – auch coronabedingt – in Österreich voll angekommen.

Zoom, Skype, LinkedIn? Wo sind Sie bereits unterwegs?

Die App zum Reden

Seit einigen Wochen mischt eine neue Plattform unter den vielen neuen Technologien mit: Clubhouse. Und mittlerweile vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht von Clubhouse liest – in Die Presse oder in der brutkasten, Österreichs multimedialer Plattform für Startups, digitale Wirtschaft und Innovation. Die neue App ist eine Mischung aus interaktiver Talkshow, Podcast und Twitter. Die Nutzer können entweder Diskussionen (Rooms) beitreten und zuhören oder den Moderator „anwinken“, um selbst etwas auf der „Talkshow“-Bühne zu sagen. Wer eine eigene Diskussion starten will, muss einen eigenen Room erstellen, selbst moderieren und die Leute dazu einladen. Ein Room kann öffentlich zugänglich oder geschlossen sein. Unterm Strich geht es also um einen reinen Audio-Austausch – keine Textnachrichten, Bilder oder Videos. Da sich die Plattform noch in der Beta-Phase befindet, läuft die App aktuell nur über Apple-Endgeräte.

Eine Eintrittskarte in den Club

Clubhouse ist derzeit nicht öffentlich. Man braucht eine Einladung bzw. muss sich auf eine Warteliste setzen lassen – wobei das mit der Exklusivität strenger klingt, als es in der Praxis ist. Die App bittet mitunter Nutzer, einen ihnen bekannten User reinzulassen. Zudem bekommen sehr aktiver Teilnehmer und Dauer-Hosts ebenfalls weitere Einladungen, die sie verteilen können. Angeblich werden sogar auch Einladungen auf ebay versteigert.

Um zu einer Einladung zu kommen, muss man übrigens seine Telefonnummer bekannt geben. Und hier zeigt sich ein großer Schwachpunkt der App: Datenschutz. Vor allem die Freigabe des Telefonbuchs bei der Social-Media-App ist aus rechtlicher Sicht heikel (mehr dazu in der futurezone.at).

Ein Rezept für einen Trend

Sie fragen sich, warum die App erst jetzt im deutschsprachigen Raum bekannt wird? Obwohl sie angeblich bereits im März 2020 von Rohan Seth und Paul Davison – längst keine Unbekannten im Silicon Valley mehr – gelauncht wurde. Dazu hat der brutkasten vor wenigen Tagen einen guten Artikel veröffentlicht „Die Clubhouse-Strategie: So wurde der rasante Hype generiert“ – Prädikat: lesenswert.

Die Kurz-Zusammenfassung: Die rasante Verbreitung der App Clubhouse ist kein Zufall. Neben dem richtigen Produkt zur richtigen Zeit zählt vor allem die richtige Strategie. Eine spannende Frage vom brutkasten in diesem Zusammenhang: Kann man aus Clubhouse ein Patentrezept für das eigne Produkt / Strategie ableiten? Ganz so einfach geht das nicht, aber an den drei Voraussetzungen kann man sich schon orientieren:

  • Starkes Produkt mit richtigem Timing: Die App hat eine ausgesprochen gute User Experience und trifft zielsicher aktuelle Bedürfnisse einer großen Masse an Menschen.
  • Das „sozial“ im „sozialen Medium“: Die App bietet als soziales Netzwerk per se eine Möglichkeit der Verbreitung, die bei Produkten ohne Kommunikations-Komponente gar nicht besteht.
  • Hervorragendes Netzwerk der Gründer: Voraussetzung für den Aufbau des Hype war, dass die ersten User tatsächlich eine sehr exklusive, illustre Runde waren.

Unsere Prognose

Vom Zeitgeist – Corona, Home-Office, Isolation versus Bedürfnis nach sozialem, „echten“ Austausch, wenn auch „nur“ über die Stimme – sehen wir definitiv das Potenzial, dass Clubhouse bleiben wird. Wenn die App den Schwachpunkt Datenschutz in den Griff bekommt, können wir uns auch gut vorstellen, dass sie einen Platz im Unternehmens-Alltag finden kann. Allerdings schläft die Konkurrenz nicht.

Update April 2021: Kaum ein paar Wochen vergangen, gibt es (mindestens) drei Alternativen am Markt:

Seit Dezember 2020 hat Twitter mit TwitterSpaces ein Feature, das Clubhouse sehr ähnlich ist. Derzeit ebenfalls noch in der Beta-Phase mit einem langsamen Rollout (mehr dazu in der brutkasten, 10.02.2021).

Brandneu am Markt – seit Februar 2021 – ist Jam. Drei Wiener aus der heimischen Startup-Szene bauten an einem Tag die „Open Source“ Alternative zu Clubhouse. Jam läuft auf jedem Browser, iOS, Android, macOS, Windows, Linux. Ohne Download und ohne Registrierung kann man Audio-Räume eröffnen und Leute einladen. Einige andere von Clubhouse oder Twitter Spaces bekannte Funktionen, wie das Planen von Sessions, gibt es (noch) nicht. Aber: Bei Jam scheint einiges mehr in Planung zu sein. Wir sind gespannt (mehr dazu in der brutkasten, 15.02.2021)

Und auch Facebook startet mit einer „Clubhouse-Kopie“ und präsentierte den Konkurrenzdienst Live Audio Rooms, der ganz ähnlich funktionieren soll. Und einen klaren Vorteil hat Facebook: 2,5 Milliarden Nutzer und auf allen Geräten verfügbar (mehr dazu: Die Presse, 22.4.2021)

Interessiert, was wir so im Kopf haben? Gerne starten wir dazu einen kreativen Dialog mit Ihnen – auch abseits von Clubhouse, Twitter Spaces und Jam.